Dr. Stefan vom Brauk, CGI

Dr. Stefan vom Brauk

Vice President

Viele Behörden wissen genau, welche Prozesse digital besser laufen könnten. Der schwierigere Teil beginnt oft danach: Wenn aus einer guten Idee eine tragfähige digitale Lösung werden soll. IT-Ressourcen sind knapp, Fachverfahren historisch gewachsen, Abstimmungen komplex. Gleichzeitig werden die Erwartungen an einfache, digitale Verwaltungsleistungen von allen Seiten immer größer.

Low-Code- und No-Code-Anwendungen – also die Entwicklung von Software ohne oder nur mit wenig Programmierkenntnissen - können hier unterstützen. Beide Ansätze ermöglichen es, Anwendungen über visuelle Oberflächen, vorkonfigurierte Bausteine und modellierte Workflows zu entwickeln. Auf diesem Weg können Beschäftigte ihr Prozesswissen leichter einbringen, erste Lösungen schnell testen und gemeinsam mit der IT prüfen, was sich für den Regelbetrieb eignet.

Einen Einblick, wie der Einsatz von Low-Code im Behördenalltag aussehen kann, bieten das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und CGI am 9. Juni auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung in Berlin.

Was unterscheidet No-Code und Low-Code?

No-Code-Plattformen richten sich vor allem an Nutzerinnen und Nutzer ohne Programmierkenntnisse. Anwendungen entstehen über Formulare, Drag-and-Drop-Oberflächen, Regeln und vordefinierte Bausteine. Typische Einsatzfelder sind einfache Workflows, interne Freigaben, Datenerfassungen, Terminprozesse oder Statusübersichten.

Low-Code-Plattformen bieten mehr technische Möglichkeiten. Auch hier wird visuell entwickelt, bei Bedarf können jedoch eigener Code, Schnittstellenlogik oder individuellere Komponenten ergänzt werden. Das ist besonders relevant, wenn bestehende Systeme angebunden, Prozesse komplexer modelliert oder Lösungen später breiter ausgerollt werden sollen.

Diese klassische Kategorisierung verliert zunehmend an Bedeutung. Auch wenn Anbieter sich weiterhin entsprechend positionieren, sind die Übergänge in der Praxis fließend. Entscheidend ist daher weniger die Methode als vielmehr die Wahl der passenden Plattform und eine klar definierte Strategie.

Warum Low-Code und No-Code für die öffentliche Verwaltung interessant sind

Dabei geht es keineswegs darum, konventionelle Softwareentwicklung komplett zu ersetzen. Vielmehr helfen Low-Code und No-Code, Engpässe zu lockern. Fachbereiche kennen ihre Abläufe, Medienbrüche und manuellen Zwischenschritte sehr genau, können die benötigten Lösungen aber technisch nur selten umsetzen. Mitarbeitende in der IT verfügen über die nötige Expertise, müssen aber gleichzeitig täglichen Betrieb, Sicherheit, Infrastruktur und Transformationsprogramme stemmen.

Low-Code und No-Code setzen genau hier an. Beschäftigte können ihre benötigten Anwendungen selbst umsetzen oder aktiv an der Entwicklung mitwirken. Vielversprechende Ideen lassen sich in den Plattformen visuell erstellen, als ausführbare Software begutachten und sofort auf konkreten Nutzen überprüfen.

Ein weiterer Vorteil ist die Ablösung der Schatten-IT. Tabellen, Makros, lokale Datenbanken oder E-Mail-Prozesse entstehen oft aus pragmatischen Gründen. Sie lösen kurzfristig ein Problem, bilden aber hinsichtlich Datensicherheit und Verfügbarkeit der Applikationen ein Sicherheitsrisiko. Außerdem wird das Wissen um die Funktion und Wartung dadurch oft an Einzelpersonen gebunden. Die Migration solcher Anwendungen auf eine Low-Code-Plattform fängt die Risiken deutlich ab und stellt die Wartbarkeit und Zukunftssicherheit der Anwendungen her.

Ein guter Einstieg sind interne Verwaltungsprozesse. Viele Abläufe sind fachlich überschaubar, kosten im Alltag aber viel Zeit: Genehmigungen, Meldungen, interne Anträge, Abstimmungen oder Statusabfragen. Solche Prozesse lassen sich einfach und schnell digitalisieren.

Low-Code ist auch dann interessant, wenn zusätzliche Anforderungen hinzukommen. Eine Kommune kann zum Beispiel Schadensmeldungen nach Starkregenereignissen digital erfassen, kategorisieren und automatisch an zuständige Stellen weiterleiten. Eine Bundesbehörde kann Anträge, beispielsweise in Förderprogrammen, Ende-zu-Ende digitalisieren, indem Beschäftigte mit Low Code eine Plattform entwickeln, über die Projektträger ihre Fortschritte berichten, Nachweise hochladen und Rückmeldung erhalten.

Low-Code bringt Verwaltungen schneller von der Idee zur Umsetzung

No-Code bedeutet aber nicht No-Planning: Auch Low- und No-Code-Vorhaben brauchen klare Regeln, etwa zur Plattformnutzung, zum Umgang mit Daten, zu Freigaben sowie zu Datenschutz, Sicherheit und späterem Betrieb. Gleichzeitig ersetzen diese Ansätze keine klassische Entwicklung in komplexen oder besonders sensiblen Bereichen. Sie können aber bei klar abgegrenzten Prozessen helfen, schneller ins Umsetzen zu kommen.

Wollen Sie die Möglichkeiten von Low Code für Ihre Behörde erkunden? Besuchen Sie uns auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung in Berlin oder sprechen Sie mich an.

Über diesen Autor

Dr. Stefan vom Brauk, CGI

Dr. Stefan vom Brauk

Vice President

Dr. Stefan vom Brauk berät als Vice President Consulting Services Kunden der öffentlichen Hand auf Bundes- und Landesebene zu strategischen IT-Entscheidungen und begleitet die Umsetzung. Er ist seit mehr als 25 Jahren als Entwickler, Architekt und Managementberater tätig.