Eren Melcik, CGI

Eren Melcik

Senior Consultant

Unternehmen stehen mehr denn je vor der Herausforderung, Betriebskosten zu senken und gleichzeitig effizienter zu werden. Häufig drehen sie dabei an den offensichtlichen Stellschrauben, wie etwa an Abläufen, den eingesetzten Werkzeugen oder neuen Initiativen. Ein entscheidender Hebel bleibt jedoch oft unbeachtet, nämlich die automatisierten Softwaretests und deren Qualität.

Denn genau darin liegt ein großes Einsparungspotenzial. Automatisierte Softwaretests sorgen für klare und nachvollziehbare Ergebnisse, beschleunigen Entscheidungen und stellen sicher, dass Software-Releases planbar bleiben. Den Unterschied macht jedoch die Qualität der Tests oder anders gesagt, wie gut die Tests durchgeführt werden.

Wer gezielt in verlässliche und gut aufgebaute automatisierte Softwaretests investiert, reduziert unnötige Aufwände und schafft die Grundlage für einen reibungsloseren Entwicklungsprozess. Genau darum geht es in meinem Beitrag.

Wie gute Testautomatisierung funktioniert

Gut aufgebaute automatisierte Softwaretests liefern verlässliche Ergebnisse und geben Entwicklerteams eine klare Grundlage für ihre Arbeit. Änderungen lassen sich schneller bewerten, Entscheidungen fundierter treffen und Software-Releases besser planen. Entscheidend ist dabei, dass automatisierte Softwaretests unter gleichen Bedingungen immer zum gleichen Ergebnis kommen. Genau diese Reproduzierbarkeit macht sie im Alltag so wertvoll.

Unternehmen profitieren davon unmittelbar. Release-Zyklen verkürzen sich, manueller Prüfaufwand sinkt und Projekte werden insgesamt besser planbar.

Was in der Praxis häufig schiefläuft

In vielen Organisationen wird Testautomatisierung wegen ihrer Vorteile zwar eingesetzt, aber nicht immer konsequent gesteuert. Entscheidungen über die angewendeten Tools werden auf Basis bestehender Verträge oder vorhandener Lizenzen getroffen, während die fachliche Perspektive zu wenig einbezogen wird. Gleichzeitig haben diejenigen, die täglich mit automatisierten Softwaretests arbeiten, zu wenig Einfluss auf die grundlegenden Entscheidungen.

Das führt dazu, dass Lösungen entstehen, die auf dem Papier sinnvoll wirken, im Alltag jedoch zusätzlichen Aufwand verursachen.

Außerdem werden zu viele End-to-End-Tests eingesetzt. Dies sind automatisierte Softwaretests, die komplette Abläufe aus Sicht eines Nutzers durch die Benutzeroberfläche abbilden, also zum Beispiel vom Login bis zum Abschluss eines Prozesses. Diese automatisierten Softwaretests sind zwar wichtig, weil sie reale Nutzungsszenarien prüfen, sie sind aber auch besonders anfällig für Fehler und Schwankungen.

API-basierte automatisierte Softwaretests wären hier häufig effizienter, denn sie greifen direkt auf die Schnittstellen der Anwendung zu und prüfen gezielt die fachliche Logik im Hintergrund, ohne den Umweg über die Benutzeroberfläche. Dadurch sind sie in der Regel schneller, weniger anfällig für Schwankungen und einfacher wartbar.

Warum Kosten entstehen

Inkonsistente automatisierte Softwaretests wirken sich direkt auf den operativen Betrieb aus, auch wenn die Kosten zunächst nicht offensichtlich sind. Sie entstehen nicht auf einen Schlag, sondern summieren sich Schritt für Schritt im laufenden Betrieb.

Ein wichtiger Kostenfaktor ist der Zeitverlust in der Entwicklung. Teams analysieren fehlgeschlagene automatisierte Softwaretests, obwohl in vielen Fällen gar kein echter Fehler in der Anwendung vorliegt. Diese Zeit fehlt an anderer Stelle, etwa bei der Weiterentwicklung von Funktionen oder der Behebung tatsächlicher Probleme.

Hinzu kommen Verzögerungen bei Software-Releases. Wenn Ergebnisse aus automatisierten Softwaretests nicht eindeutig sind, werden Deployments, also die Bereitstellung neuer Softwarestände in Test- oder Produktionsumgebungen, vorsorglich verschoben oder mehrfach abgesichert. Entscheidungen werden langsamer getroffen, weil die Grundlage dafür nicht klar ist.

Auch die technische Infrastruktur wird ineffizient genutzt. Automatisierte Abläufe, sogenannte CI/CD-Pipelines, führen bei jeder Änderung im Code automatisch Schritte wie das Erstellen der Software, das Ausführen automatisierter Softwaretests und die Bereitstellung der Anwendung aus. Wenn diese Abläufe aufgrund inkonsistenter automatisierter Softwaretests mehrfach angestoßen werden müssen, entsteht zusätzlicher Aufwand ohne echten Mehrwert.

Parallel dazu steigt der Aufwand für die Wartung, da inkonsistente automatisierte Softwaretests regelmäßig angepasst oder neu aufgebaut werden müssen.

Ein oft unterschätzter Effekt ist, dass Ergebnisse aus inkonsistenten automatisierten Softwaretests hinterfragt werden. Entwicklerteams ignorieren Fehler oder bewerten sie neu, weil unklar ist, ob tatsächlich ein Problem in der Anwendung vorliegt. Dadurch verschiebt sich der Fokus weg von klaren Fakten hin zu Annahmen.

So entsteht ein Gesamtbild, in dem automatisierte Softwaretests eigentlich für Klarheit sorgen sollten, stattdessen jedoch zusätzlichen Aufwand, Verzögerungen und steigende Kosten verursachen.

Wie Unternehmen es besser machen

Erfolgreiche Organisationen setzen nicht in erster Linie auf Tools, sondern vielmehr auf eine klare Strategie für automatisierte Softwaretests. Tests werden nur gezielt und dort eingesetzt, wo sie den größten Mehrwert liefern.

Fachliche Logik wird über API-basierte automatisierte Softwaretests geprüft, also direkt über die Schnittstellen der Anwendung. UI-basierte End-to-End-Tests werden reduziert und gezielt dort eingesetzt, wo die tatsächliche Benutzerinteraktion überprüft werden soll.

Ein zentraler Hebel dabei ist die Kombination dieser Ansätze. API-basierte automatisierte Softwaretests können gezielt genutzt werden, um Testdaten bereitzustellen und notwendige Vorbedingungen direkt über die Schnittstellen der Anwendung zu schaffen. Anstatt diese Schritte jedes Mal über die Benutzeroberfläche abzubilden, werden sie im Hintergrund vorbereitet. Dadurch werden Abläufe stabiler und gleichzeitig schneller. End-to-End-Tests konzentrieren sich dann auf die eigentliche Benutzerführung und nicht auf das Einrichten von Testdaten.

Genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, die vorhandenen Stärken richtig einzusetzen. Ein anschauliches Beispiel liefert die bekannte fiktive Erfinderfigur Daniel Düsentrieb. Würde man ihn in einem Entwicklerteam einsetzen und ihm verbieten, kreative Lösungen zu entwickeln, würde sein Erfinderpotenzial ungenutzt bleiben. Entscheidungen würden an der falschen Stelle getroffen und das Ergebnis wäre trotz vorhandener Kompetenz ineffizient.

Dieses Muster zeigt sich leider in vielen Organisationen, wenn es um Testautomatisierung geht. Entscheidungen über Tools oder Architektur werden auf Managementebene getroffen, während die fachliche Expertise aus der Praxis zu wenig einbezogen wird. Die Personen mit der größten Erfahrung in automatisierten Softwaretests haben oft nicht den notwendigen Einfluss auf Architektur und Umsetzung.

Erfolgreiche Unternehmen gehen hier anders vor. Sie binden Experten für Testautomatisierung aktiv in Entscheidungen ein und geben ihnen den notwendigen Gestaltungsspielraum. Verantwortung wird dort verankert, wo das fachliche Verständnis vorhanden ist.

Automatisierte Softwaretests werden so gestaltet, dass sie robust gegenüber Änderungen sind und möglichst wenige unnötige Abhängigkeiten enthalten. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, erzielen messbare Verbesserungen. Inkonsistente automatisierte Softwaretests lassen sich in vielen Fällen deutlich reduzieren.

Fazit: Entscheidend ist die Umsetzung von automatisierten Softwaretests

Inkonsistente automatisierte Softwaretests sind kein unvermeidbares Nebenprodukt der Softwareentwicklung, sondern das Ergebnis fehlender Ausrichtung. Entscheidend ist nicht das eingesetzte Tool, sondern die Art und Weise, wie automatisierte Softwaretests konzipiert und umgesetzt werden.

Unternehmen, die gezielt in reproduzierbare automatisierte Softwaretests investieren, profitieren von geringeren Kosten, schnelleren Abläufen und einer besseren Planbarkeit. Verlässliche Ergebnisse entstehen nicht durch Annahmen, sondern durch konsequente Überprüfung.

Über diesen Autor

Eren Melcik, CGI

Eren Melcik

Senior Consultant

Eren Melcik unterstützt als Test Automation Engineer Softwareprojekte, analysiert und verbessert QS-Prozesse und baut skalierbare Teststrukturen in regulierten Umfeldern auf.