Die öffentliche Verwaltung steht weltweit unter einem gewaltigen Transformationsdruck. Ursachen dafür sind technologische Innovationen, steigende Arbeitslast und der gravierende Fach- und Arbeitskräftemangel bei einer gleichzeitigen Verschiebung der politischen und wirtschaftlichen Weltordnung. In Deutschland schlägt sich diese Entwicklung auch in der Schaffung eines eigenen Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung nieder: Die Modernisierung der Verwaltung wurde damit zur Top-Priorität.

Wertvolle Erkenntnisse in diesem Bereich liefert die internationale Befragung CGI Voice of Our Clients 2025. Mehr als 1.800 Führungskräfte, darunter 420 aus zentralen staatlichen und aus Landes- und Kommunalverwaltungen. Die Ergebnisse für die unterschiedlichen Verwaltungsebenen finden Sie unter Central & federal government sowie State, provincial & local government.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse sowie die sich daraus ergebenden Implikationen und Handlungsfelder für deutsche Behörden finden Sie im Folgenden.

Die diesjährigen Untersuchungsergebnisse belegen: Die Digitalisierung wird von der öffentlichen Verwaltung als dauerhafte strategische Aufgabe erkannt und verändert Verwaltungsorganisationen grundlegend. Ziele der Digitalisierung sind die Verbesserung der Bürgererfahrung, Effizienzgewinne und eine stärkere fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit. Es besteht jedoch weiterhin eine Kluft zwischen der Umsetzung der Digitalisierungsstrategie und den erwarteten Ergebnissen. Altsysteme, der Fachkräftemangel sowie der hohe Kostendruck werden von den Befragten als zentrale Hemmnisse der Verwaltungsdigitalisierung genannt.

Die Ergebnisse der Voice of our Clients lassen aber auch die nach wie vor andere Arbeitsweise von Verwaltungen gegenüber der Privatwirtschaft erkennen. So werden im öffentlichen Sektor seltener agile Betriebsmodelle und Methoden angewendet, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten und schneller Ergebnisse zu erzielen. Auch Managed Services werden seltener genutzt , obwohl diese zu mehr Effizienz, Kostenkontrolle und Cybersecurity führen können.

Person steigt eine breite Treppe vor modernem Verwaltungsgebäude hinauf – Symbol für strukturelle Weiterentwicklung der Bundesverwaltung.
  • 88 % Verfügen über eine Strategie für Datenschutz und Datensicherheit – 49 % erzielen die daraus erwarteten Ergebnisse.
  • 69 % geben an, dass die Digitalisierung ihr Betriebsmodell erheblich beeinflusst, doch nur 11 % würden ihr aktuelles. Betriebsmodell als agil im Umgang mit der Digitalisierung beschreiben.
  • 51 %  nennen KI-Implementierung und Automatisierung als wichtigste IT-Prioritäten.
  • 44 % geben an, dass Altsysteme weiterhin eine große Herausforderung für die Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie darstellen.
  • 44 % erzielen mit ihren Digitalisierungsstrategien die erwarteten Ergebnisse.

  • 97 % Verfügen über eine Strategie für Datenschutz und Datensicherheit – 41 % erzielen die daraus erwarteten Ergebnisse.
  • 75 % geben an, dass die Digitalisierung ihr Betriebsmodell erheblich beeinflusst.
  • 54 % geben an, dass Altsysteme weiterhin eine große Herausforderung für die Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie darstellen.
  • 49 % geben an, KI zur Neugestaltung von Bürgerdiensten einzusetzen.
  • 32 % erzielen mit ihren Digitalisierungsstrategien die erwarteten Ergebnisse.
Luftaufnahme eines Wohngebiets mit vernetztem Straßennetz – Sinnbild für föderale Struktur und kommunale Vernetzung in Deutschland.

 

 

Verwaltungen auf dem Weg in die digitale Transformation

Doch Verwaltungen haben sich auf den Weg der digitalen Transformation begeben: Knapp die Hälfte der Befragten setzt KI-Anwendungen ein – von automatisierter Dokumentenanalyse bis zu Chatbots im Bürgerservice. Die IT-Modernisierung wird in Form von digitalen Plattformen und Cloud vorangetrieben. Und erste IT-Großprojekte werden mit agilem Projektmanagement umgesetzt, wie die E-Gesetzgebung auf Bundesebene oder die Umsetzung des Digitalen Zwillings der Landeshauptstadt München auf kommunaler Ebene zeigen.

Digital fortschrittliche Verwaltungen eint zudem eine stärkere Anwendung agiler Vorgehensweisen. Sie besitzen darüber hinaus eine fachbereichsübergreifende Datenstrategie und verknüpfen diese mit klaren Sicherheits- und Datenschutzstandards, wodurch Vertrauen und Skalierbarkeit gewährleistet werden.

Digitale Verwaltung in Deutschland: Gleiche Herausforderungen, anderer Rahmen

Diese internationalen Ergebnisse decken sich weitestgehend mit unserer Erfahrung in der Verwaltung Deutschlands. Was sich unterscheidet, sind jedoch die Rahmenbedingungen für die Lösung der genannten Herausforderungen.

Gruppe von Experten sitzen in einem Besprechungsraum und diskutieren die Ergebnisse aus der CGI-Umfrage "Voice of our Clients"

Deutsche Behörden modernisieren Prozesse, entwickeln Fachanwendungen neu und treiben Plattformlösungen voran. Erfahrung mit KI-Technologie wird gesammelt und mündet sogar in Teilen bereits in konkrete Anwendungen. Erste Mehrwerten werden in den Bereichen Effizienz und Bürgerservices erzielt. Allerdings bleiben die Herausforderungen groß.

So gilt es, ein Höchstmaß an Cybersecurity und Datenschutz zu gewährleisten. Parallel zu neuen Anwendungen muss also stets an der Sicherheit und dem Schutz der Daten gearbeitet werden. Sich ändernde internationale Rahmenbedingungen machen weiterhin deutlich, dass Behörden in Deutschland möglichst unabhängig aufgestellt sein sollten. Wo lassen sich Hyperscaler-Innovationen einsetzen, wo muss man sich digital souverän aufstellen? Diese Frage ist für die digitale Transformation der Verwaltungslandschaft erfolgskritisch. Sie betrifft Infrastrukturthemen wie die Migration in die souveräne Cloud – geht aber weit darüber hinaus.

Weiterhin erhöht das föderale System die Komplexität. Zuständigkeiten sind verteilt, IT-Landschaften fragmentiert, Datenräume oft isoliert. Es bedarf großer Anstrengungen in den Bereichen Koordination, Standardisierung und Kooperation. Maßgaben wie das Einer-für-alle-Prinzip – kurz: EfA – sorgen hier für Orientierung, wenn es um die Entwicklung von Lösungen für ähnliche Herausforderungen in allen 16 Bundesländern geht, Sie werden jedoch nicht konsequent verfolgt. Hoffnung macht der neue Umsetzungsansatz für die Digitalisierung der Verwaltung, den das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung gemeinsam mit den Ländern Bayern und Hessen vorgestellt hat. Er verspricht eine schnellere Flächendeckung von Online-Diensten – und am Ende sogar eine Blaupause für ganz Deutschland.

Angesichts der spezifischen Rahmenbedingungen für die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland sowie der internationalen Ergebnisse der CGI Voice of our Clients 2025 lassen sich für den Public Sektor hierzulande folgende Handlungsempfehlungen ableiten:

Föderale Kooperation stärken

Statt 16 getrennter Digitalstrategien braucht Deutschland interoperable Standards und konvergierende Plattformen – die Initiative des Bundes sowie der Länder Bayern und Hessen ist ein wichtiger Schritt dahin.

Prozesse digital neu denken

Manuelle Verwaltungsabläufe sollten nicht lediglich digital abgebildet, sondern neugestaltet und an moderne digitale Möglichkeiten angepasst werden, um spürbare Effizienz- und Qualitätsgewinne zu erzielen.

Modernisierung mit Struktur

Die Ablösung von Altsystemen sollte in mehrjährigen Roadmaps erfolgen, die Technologie, Organisation und Personalentwicklung verbinden

Cyber Security & Resilienz

Die Verwaltung sollte Zero-Trust-Sicherheitsmodelle, resiliente Infrastrukturen und gemeinsame Notfallstandards aufbauen, um steigenden Bedrohungen wirksam zu begegnen.

Digitale Souveränität

Durch souveräne Cloud-Lösungen, offene Datenräume und klare Leitplanken für Hyperscaler kann die Verwaltung technologische Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit sichern.

Digitale Bürgerservices mit KI

KI sollte genutzt werden, um automatisierte, nutzerfreundliche Services bereitzustellen, die Bürgeranliegen schneller und effizienter bearbeiten.

Kompetenzen sichern

Es braucht dringend ein modernes Kompetenzmanagement. Es muss unter anderem das Wissen sichern, das mit Pensionierungen verloren zu gehen droht – beispielsweise durch die digitale Abbildung mittels AI oder Low Code.

Moderne Gebäudefassade mit diagonaler Tragstruktur – Metapher für stabile Rahmenbedingungen und strukturierte Modernisierung im öffentlichen Sektor.

Die CGI Voice of Our Clients 2025 zeigt zusammengefasst: Weltweit ringen Verwaltungen mit ähnlichen Herausforderungen – von der IT-Modernisierung über den Fachkräftemangel bis zur Bürgerorientierung. Trotz dieser Herausforderungen haben sich viele Organisationen auf den Weg gemacht. Hemmnisse sind häufig identifiziert, ebenso mögliche Lösungsoptionen. Entscheidend ist nun die konsequente Umsetzung. Als Partner der öffentlichen Verwaltung unterstützen wir Sie dabei, diese Ziele zu erreichen und Ihre digitale Agenda erfolgreich umzusetzen.