CGI Member Julia Heeb

Julia Heeb

Senior Consultant

Tobias Winter, CGI

Tobias Winter

Executive Consultant​

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Stellen Sie sich vor, Ihr Auto könnte die Zeit, die es sonst auf einem Parkplatz verschwendet, nutzen, um selbstständig zum Tanken, in die Waschanlage oder in die Werkstatt zu fahren – und das alles eigenständig bezahlen. Es könnte sich sogar etwas Geld verdienen, indem es Daten über die Straßenbeschaffenheit, das Wetter oder die Verkehrslage verkauft. Und wenn es einen Kratzer abbekommt, würde es den Verursacher sofort zur Kasse bitten.

Damit eine solche Zukunftsvision Wirklichkeit werden kann, müssen Autos nicht nur vollautonom fahren und über das Internet of Things (IoT) mit anderen Objekten kommunizieren können. Sie müssen vor allem auch in der Lage sein, selbstständig für Services zu bezahlen und andere Objekte zur Entgegennahme von Zahlungen zu autorisieren. Die Rede ist von Machine-to-Machine-Payments (M2M-Payments). Durch die Einbindung von M2M-Payments in unsere vernetzte Gesellschaft wird aus dem Internet of Things (IoT) das Internet of Payments (IoP).

Wo das Internet of Payments heute steht

Diese Vorstellungen sind gar nicht so surreal, wie sie vielleicht wirken. Während das autonome Fahren bereits heute fleißig geübt wird, entwickelt sich auch das Internet of Payments stetig weiter. Vielversprechende Pilotprojekte gibt es bereits. Gerade schrieben Shell und Daimler Schlagzeilen, weil sie zeigten, wie ein Lkw automatisch an einer Tankstelle bezahlen kann. Ein anderes Beispiel sind Autos, die im Vorbeifahren an einer Mautstation bezahlen können.

Technologisch ist schon vieles möglich. Doch es gibt noch viele offene Fragen und rechtliche Hürden. Im Mittelpunkt steht dabei, dass Maschinen keine eigene Rechtspersönlichkeit haben. Sie dürfen sich nicht selbstständig autorisieren und automatisch Geschäfte auslösen, die einen Zahlungsvorgang mit sich bringen.

Zudem muss sich eine Maschine im Internet of Payments eindeutig identifizieren können: Sie benötigt einen fälschungssicheren digitalen Fingerabdruck. Nicht zuletzt gibt es Sicherheitsbedenken, weil hier die Kontrolle aus der Hand gegeben wird und auf Sicherheitsmechanismen vertraut werden muss. Es darf nicht passieren, dass Kriminelle ein Einfallstor finden.

Stand heute müssen automatisierte Zahlungsvorgänge immer unterbrochen und von einem Menschen autorisiert werden. Es ist aber davon auszugehen, dass solche Hürden in fünf bis zehn Jahren überwunden sind. Dann könnte es plötzlich schnell gehen. Der Wandel vom Bezahlen für ein Produkt hin zu bedarfsgerechten Bezahlmodellen von Services ist bereits im Gange.

Worauf sich Banken einstellen müssen – und welche Chancen sich ihnen bieten

Auf den Zahlungsverkehr werden ganz neue Herausforderungen zukommen, auf die sich Banken jetzt schon vorbereiten müssen. Man rechnet damit, dass die Zahl der IoT-Objekte bis 2025 auf 75 Milliarden ansteigen wird. Damit einher geht eine rasante Steigerung kleinteiliger Transaktionen. Selbst wenn diese gebündelt werden, könnten es etwa 15-mal mehr sein als heute. Da Maschinen weder Büro- noch Schlafenszeiten kennen und M2M-Payments Transaktionen in Echtzeit ermöglichen, werden sich eine 24/7-Verfügbarkeit des Zahlungsverkehrs und Instant Payment als neue Realität etablieren.

Neben diesen Herausforderungen bietet das Internet of Payments für die traditionellen Banken große Chancen. In den vergangenen Jahren sind sie aus Kundensicht immer weiter in den Hintergrund gerückt, während sich das Augenmerk auf Apple Pay, Google Pay & Co gerichtet hat. Etablierte Banken haben aber nach wie vor einen großen Vertrauensvorsprung. In Zukunft könnten sie die erste Adresse sein, wenn es darum geht, Maschinen-Identitäten sicher zu verwalten. Sie müssen jetzt wieder präsenter werden, indem sie sich im Internet of Payments nicht nur auf das Abwickeln der Transaktionen fokussieren, sondern sich mit neuen Funktionalitäten und Geschäftsmodellen positionieren.

Was heute schon möglich ist

Mit unserem Lösungsansatz IoP@Banking-App kann die Bank schon heute anbieten, Objekte über eine Banking-App oder das Onlinebanking mit einem Girokonto zu verknüpfen – und damit ein automatisiertes Bezahlen ermöglichen. In der Praxis würde das bedeuten, dass ein Kunde seinem Auto über die Banking-App erlaubt, an bestimmten Tankstellen im Rahmen eines festgelegten Budgets selbstständig zu bezahlen. Die Bank selbst profitiert von größerer Kundennähe und stärkerer Interaktion, aber auch vom Zugang zu einem immensen Datenschatz, den sie nutzen kann, um neue, individuelle Produkte anzubieten. Kunden profitieren von einer schlanken Customer Experience, indem Banken ihr Produktportfolio gebündelt auf einer IoP-Plattform anbieten.

Dass das Internet of Things bereits Realität ist, zeigt das Beispiel ThyssenKrupp Elevator. Gemeinsam mit Microsoft haben wir das Unternehmen bereits vor einigen Jahren dabei unterstützt, mithilfe des Internet of Things eine vorausschauende und präventive Wartung seiner Aufzüge zu realisieren: Dank dynamischer Prognosemodelle, die durch neue Daten immer intelligenter werden, können die Aufzüge vorhersagen, welche Reparaturen sie benötigen, damit sie gar nicht erst ausfallen. Im nächsten Schritt könnten die Fahrten im Aufzug als Service angeboten und mittels Internet of Payments verrechnet werden. 

Wie in diesem Beispiel werden an vielen Stellen bald nicht mehr Produkte, sondern Services im Vordergrund stehen – ermöglicht durch das Internet of Payments. Diese Zukunft ist näher als von vielen gedacht. Eines steht fest: Vor allem die traditionellen Banken haben keine Zeit zu verlieren. Sie müssen jetzt handeln, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern und ihre Chancen nicht zu verspielen.

Über diese Autoren

CGI Member Julia Heeb

Julia Heeb

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Als Senior Consultant berät Julia Heeb in den Bereichen Banking und Payments. Sie ist spezialisiert auf Strategieberatung sowie IT-Migrationen im Bankenumfeld.

Tobias Winter, CGI

Tobias Winter

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Als Executive Consultant und Experte im Bereich Zahlungsverkehr ist Tobias Winter im Business Consulting ein erfahrener Ansprechpartner bei Kunden und innerhalb der CGI. Mit mehr als zwölf Jahren Erfahrung in der IT-Beratung bringt Tobias Winter ein tiefgehendes Verständnis für fachliche und technische Prozesse in der ...